Informatives

  • Was versteht man unter Demenz?
  • Diagnose einer Demenz
  • Mögliche Formen

In Deutschland leben nach Hochrechnungen etwa 1,4 Millionen Menschen mit einer Demenz. Heruntergerechnet auf Thüringen bedeutet dies, dass im Freistaat etwa 44.000 Menschen1 an einer Demenz erkrankt sind. Dadurch, dass die durchschnittliche Lebenserwartung ständig steigt und das Alter der Hauptrisikofaktor für eine dementielle Erkrankung darstellt, gehen Experten davon aus, dass sich die Häufigkeit der Krankheitsfälle in den nächsten zwanzig Jahren verdoppeln wird.

Was versteht man unter Demenz?

Der Begriff Demenz (= ohne Geist; lat.) bezeichnet eine Gruppe von Erkrankungen, die durch Einschränkungen geistiger Leistungen (besonders Gedächtnisleistungen) und durch die Veränderung des Sozialverhaltens und der Persönlichkeit des Erkrankten gekennzeichnet ist. Demenzerkrankungen führen zu Beeinträchtigungen des täglichen Lebens und sind langfristig mit Pflegebedürftigkeit verbunden.

Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen steigt mit dem Lebensalter an: Während in der Altersgruppe der 65-69jährigen weniger als zwei Prozent erkranken, sind es bei den 85-89jährigen ca. 20% (jeder fünfte). Beim Auftreten der Erkrankung gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Durch den erhöhten Frauenanteil im steigenden Alter entsteht lediglich ein subjektives Empfinden, dass Frauen häufiger betroffen sind.

Diagnose einer Demenz

Meist ist es der Erkrankte selbst, der die ersten Symptome bemerkt, diese aber versucht zu verheimlichen. In der Regel übernehmen Angehörige die Initiative, dass Veränderungen durch einen Arzt abgeklärt werden, was oft nicht einfach ist, da der Erkrankte Angst vor der Bestätigung seiner Befürchtungen hat.

Der Arzt befragt den Patienten und die Angehörigen ausführlich zu Veränderungen des Gedächtnisses, der Sprache, der Orientierung, der Planungs- und Urteilsfähigkeit, der Stimmung, des Verhaltens und der Persönlichkeit. Zusätzlich werden psychologische Test eingesetzt. Darüber hinaus werden körperliche und neurologische Auffälligkeiten abgeklärt und Laboruntersuchungen (Blut, EKG) durchgeführt. Um Veränderungen der Hirnstruktur festzustellen, werden folgende apparative Untersuchungen gemacht (nicht alle gehören dabei zur Basisdiagnostik):

zur Darstellung der Hirnstruktur

  • Computertomographie (CT)
  • Magnet-Resonanz-Computertomographie (MRT)

zur Darstellung der Hirnfunktion

  • Elektronen-Enzephalogramm (EEG)
  • Single-Photon-Emmissions- Computertomographie (SPECT)
  • Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Werden erste Anzeichen einer Veränderung festgestellt, ist es sinnvoll den Hausarzt aufzusuchen, der den Gesundheitszustand des Betroffenen gut kennt und Veränderungen wahrnimmt. Für die fundierte Diagnostik und zur Abklärung, welche Form der Demenz vorliegt, ist es empfehlenswert, einen Neurologen / Psychiater bzw. eine geriatrischen Fachklinik / Tagesklinik aufzusuchen. Sollte dies nicht automatisch durch den Hausarzt erfolgen, erfragen Sie die nötigen Überweisungen.

Mögliche Formen

Einer Demenzerkrankung können die verschiedensten Ursachen zu Grunde liegen. Die häufigsten Formen sollen folgend genauer erläutert werden:

verschiedene Ursachen von Demenzerkrankung

Bei den primär degenerativen Demenzformen ist die häufigste Ursache die Alzheimer-Krankheit. Dies ist eine Erkrankung, bei der die Nervenzellen des Gehirns zunehmend untergehen. Über die Ursachen für diesen Abbau gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Es scheinen unterschiedliche Faktoren eine Rolle zu spielen. Aus mikroskopischen Untersuchungen weiß man jedoch, dass durch krankhafte Ablagerungen (Amyloid-Plaques, Neurofibrillenbündel) im Gehirn erst die Verbindungsstellen zwischen den Nervenzellen zerstört werden und dann die Nervenzelle selbst zugrunde geht, somit entsteht ein degenerativer Abbau der Gehirnsubstanz im betroffenen Gebiet.

Eine weitere Form stellt die Frontotemporale Demenz dar. Diese Form ist gekennzeichnet durch den Untergang von Nervenzellen im Frontal- und Temporallappen des Gehirns. Das durchschnittliche Erkrankungsalter einer Frontotemporalen Demenz liegt bei 58 Jahren, wobei es Erkrankte bereits im vierten Lebensjahrzehnt oder früher gibt, aber auch Erkrankte, die in den höheren Lebensaltern eine solche Demenz entwickeln. Bei der Frontotemporalen Demenz (auch „Morbus Pick“ genannt) stehen Veränderungen der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens zunächst im Vordergrund. Im Verlauf der Erkrankung entwickeln sich zusätzlich Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Sprache, der Orientierung usw. Die Veränderungen der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens können in einem zunehmenden Desinteresse an der sozialen und beruflichen Umwelt münden, auch das Taktgefühl und Einfühlungsvermögen wird verloren. Während bei einer Gruppe der Erkrankten die ausgeprägte Antriebslosigkeit im Vordergrund steht, gibt es andere Erkrankte, bei welchen eher die Enthemmung und Distanzlosigkeit bei gleichzeitig nachlassender Fähigkeit, Emotionen wahrzunehmen und auszudrücken, dominieren.

Eine weitere degenerative Demenzform stellt die Demenz mit Lewy-Körperchen dar. Sie ist gekennzeichnet durch Fluktuation der kognitiven Leistungsfähigkeit und immer wieder auftretenden Bewusstseinsstörungen. Bei einigen Erkrankten treten auch häufiger als bei anderen Demenzformen visuelle Halluzinationen auf. Sehr häufig treten bei der Demenz mit Lewy-Körperchen auch für die Parkinson-Erkrankung typische motorische Störungen auf, was gehäuft zu Stürzen führt. Bei der Lewy-Körperchen Demenz besteht eine Überempfindlichkeit auf Neuroleptika, wodurch auf eine genaue Beobachtung und ein vorsichtiger Umgang mit solchen Medikamenten zu achten ist.

Die zweithäufigste Demenzform, die so genannte vaskuläre Demenz (das Gefäßsystem betreffend) hat durchblutungsbedingte Ursachen im Bereich des Gehirns. Hauptrisikofaktoren für eine vaskuläre Demenz sind Bluthochdruck und das Vorliegen von Diabetes. Das Gehirn wird aufgrund von Gefäßverengungen und –verstopfungen nicht ausreichend durchblutet. Dadurch werden Nervenzellen geschädigt und zerstört (Infarkte). Meist treten diese Hirninfarkte mehrfach auf und schädigen das Gehirn so weit, das eine Demenz ausgebildet wird. Man bezeichnet diese Art von Demenz als Multi-Infarkt-Demenz.
Eine vaskuläre Demenz ist im Gegensatz zur degenerativen Form durch meist einen plötzlichen Beginn gekennzeichnet und verläuft oft auch in Schüben. Zu Beginn ist das Kurzzeitgedächtnis gestört bei sonst meist erhaltener Persönlichkeit. Bei einer vaskulären Demenz liegt meist eine Störung des Affekts vor und schon früh können Gangstörungen, die zu erhöhter Sturzgefahr führen, auftreten.

Der Morbus Binswanger hingegen ist gekennzeichnet durch einen schleichenden Beginn, was die Abgrenzung zur Alzheimer Demenz oft erschwert. Die Symptome gleichen einer vaskulären Demenz. Kennzeichnend ist beim Morbus Binswanger auch die Fluktuation der kognitiven Defizite.

Es gibt auch Demenzerkrankungen, die nicht eindeutig zugeordnet werden können. Diese Mischformen stellen ca. 15% der dementiellen Erkrankungen dar.

Darüber hinaus kann eine Demenz auch andere Ursachen haben. Der Erkrankung können bestimmte Ursachen wie die Parkinson-Krankheit (6%), hormonelle Störungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion), Vitaminmangel-erkrankungen (z.B. B12, Folsäure) oder langjähriger Alkoholmissbrauch (Korsakow-Syndrom) zu Grunde liegen.

Grundsätzlich gilt:
Sind die Ursachen behandelbar, kann die Beeinträchtigungen eingeschränkt werden.

 


1 Hochrechnung auf Basis der Bevölkerungszahlen per 31.12.2011 des Thüringer Landesamtes für Statistik.